Das Kirchspiel Klein Gnie

Inhalt

Übersicht über das Kirchspiel

Die Gemeinden des Kirchspiels

Kontaktadressen der zuständigen Kirchspielvertreter


Übersicht über das Kirchspiel

Lage: zwischen den Kirchspielen Gerdauen und Nordenburg im Südwesten bzw. Südosten und dem Kirchspiel Muldszen (Mulden) im Norden; von der Aschwöne (Swine) und dem Flüsschen Wickerau durchflossen

Geschichte: Das Gebiet Klein Gnie wurde erstmals im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt, damals als Wildnis Gnye bezeichnet. Später im 15. Jahrhundert wurde auch die Schreibweise "die Gnee" verwendet. 1601 gehörte Klein-Gnye mit 20 Hufen zum Kirchspiel Muldszen.

Im 17. Jahrhundert heißt es von dem 65 Hufen großen Gnie: "Darauf (nämlich dem alten Waldgelände der Gnien) eine Wolle gestiftet". Wolle oder Wolla ist eine aus dem Slawischen entnommene Bezeichnung für eine Neugründung, welche jedenfalls um Siedler anzulocken, mit verhältnismäßig großen Freiheiten ausgestattet war. 1627 sind daraus schon die beiden Dörfer Groß und Klein Gnie geworden. Außer den beiden genannten Orten erscheinen 1624 Wesselowen mit 40 und Mulk mit 24 Hufen.

Im Jahre 1782 gehörten zum alten Landrätlichen Kreise Rastenburg die Landgemeinden Mulk, Barraginn (Georgenhain; hieß früher auch Friedrichsdorf) mit Georgenfeld, Groß Gnie mit Annawalde, Klein Gnie mit Christophsdorf, Schönwiese und Wesselowen (Wesselau), während Klein Wesselowen zum Landrätlichen Kreise Seehesten gehörte. Die gleichen Ortschaften gehörten zu völlig anderen Domänenämtern. Dem Gräflich Schliebenschen Erbhauptamt Gerdauen (einer privaten Verwaltung) unterstanden die Dörfer Barraginn (Georgenhain) mit Georgenfeld, Groß Gnie und Klein Gnie (1770) sowie die Güter Christophsdorf und Annawalde - sowie der größte Teil des Kreisgebietes Gerdauen. Zum Domänenhauptamt Barten gehörte Wesselowen (Wesselau), das noch in die zwei Dörfer Groß und Klein Wesselowen zerfiel.

Die ostpreußischen Kreise wurden zwischen 1816 und 1819 aufgrund einer dringend erforderlichen Veränderung neugegliedert mit dem Ergebnis, dass der Kreis Gerdauen, zu dem die Amtsbezirke Barraginn (Georgenhain), Gnie und Wesselowen (Wesselau) gehörten, zum Regierungsbezirk Königsberg/Pr. kam. 1822/23 wurden die Klein Gnieer Sümpfe für 30.000 Thaler von der Familie Gutzeit erworben.

Das Kirchspiel Klein Gnie wurde im Jahre 1897 gegründet, wobei aus den drei Kirchengemeinden Muldszen (Mulden), Gerdauen und Nordenburg Wohnplätze, Siedlungen und Ortschaften ausgepfarrt wurden. Für die Kirchengemeinde wurde Klein Gnie als Kirchort erhoben und dort eine Pfarrstelle errichtet.

Verkehr: Das Kirchspielgebiet wird von der Eisenbahnstrecke Gerdauen - Insterburg durchzogen (Bahnhöfe Georgenfelde und Klein Gnie).

Wirtschaft: Klein Gnie mit mehr als 2.000 ha sowie Groß Gnie mit mehr als 1.000 ha Gesamtfläche (nicht nur Nutzfläche) zählten zu den größten landwirtschaftlichen Betrieben des Kreises Gerdauen. Die beiden Güter beschafften sich mit einsetzender Technisierung in der Landwirtschaft - nach Angaben von Otto Kampf, Inhaber der gleichnamigen Maschinenfabrik in Gerdauen - eigene Dampfpflüge.

Klein Gnie hatte eine Privatforst mit besonders wertvollen Holzbeständen, u. a. einen ca. 2 ha großen 150jährigen Lärchenbestand japanischer Herkunft. Der Damwildbestand war beachtlich. Im Norden, jenseits des Masurischen Kanals, lagen dann noch die Wälder von Georgenfelde, Bettyhof, Annawalde und Groß Gnie.

Groß Gnie hatte seit 1900 eine eigene Molkerei (Milchanlieferung aus eigenem Stall von 160 Kühen; im Jahre 1926 bereits voll elektrifiziert). Laut behördlicher Verfügung musste der Betrieb 1936 stillgelegt werden. Der Milchanfall wurde großen Genossenschaften ausgeliefert. In Klein Gnie befand sich eine gleiche Verarbeitungsanlage, die dem gleichen Schicksal anheim fiel.

In Klein Gnie, an einem ausgedehnten Mühlenteich, lag eine vorzüglich eingerichtete Roggen- und Weizenmühle, die bereits im 18. Jahrhundert angelegt worden war. Außer dem großen Bedarf der Gutsverwaltung Klein Gnie selbst stelle man noch Mahlgut für Lohn- und Handelsmüllerei her.

Dem Sägewerk Groß Gnie war eine Stellmacherei angeschlossen. Der Antrieb erfolgte anfangs mit Lokomobile, später mit Elektromotor. Auch in Klein Gnie gab es ein Sägewerk.

Die Ziegelei Groß Gnie hatte eine sehr günstige Lage unmittelbar an der Provinzialchaussee Klein Gnie - Muldszen (Mulden) und an der Eisenbahnstrecke Gerdauen - Insterburg. Sie war für eine Jahresproduktion von vier Millionen Stück eingerichtet. Aus dem einwandfreien Naturlehm, der sehr reichlich vorhanden war, konnten Steine bester Qualität, Dachpfannen und Rohre hergestellt werden, die einen guten Absatz fanden. Die in Klein Gnie existierende Ziegelei entsprach in allen grundsätzlichen Vorbedingungen der vorher genannten, hatte jedoch nur eine Leistung von zwei Millionen Stück.

Außerdem waren in Klein Gnie eine Goldschmiede, eine Tischlerei, eine Sattlerei, eine Gärtnerei, eine Gastwirtschaft und ein Kolonialwarenladen sowie in Groß Gnie eine Mühle, eine Schmiede, eine Schlosserei und eine Gärtnerei vorhanden. In Groß Gnie existierte auch eine Schaltstation des Elektrizitätswerkes Friedland/Ostpr.

Kirche: Um die Jahrhundertwende (1897 wurde in Klein Gnie eine Pfarrstelle errichtet) wurde mit der Planung zum Bau der im Neugründerstil gehaltenen Kirche von Klein Gnie begonnen, die einen 45 Meter hohen Spitzturm mit drei Glocken hatte und Platz für etwa 400 Menschen bot. Die Kirche wurde am 18. August 1901 eingeweiht.

Schulwesen: Klein Gnie und Groß Gnie hatten eigene Schulen.

[Quelle: nach einem Bericht von Ilse-A. Bannick, geb. Doebler im Bildband, S. 291 f.]

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Die Gemeinden des Kirchspiels

Gemeinde Barraginn (Georgenhain)

Einwohner: 444 (17.05.1939)

Ortsteile: Bettyhof; Georgenfelde; Georgenfelde, Bhf.; Georgenwalde; Nonnenhof

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Gemeinde Groß Gnie

Einwohner: 570 (17.05.1939)

Ortsteile: Annawalde, Dorf; Annawalde, Gut; Bolzhinshof; Friedrichsfelde; Groß Gnie, Whs.; Lönkendorf, Vw.; Mühlenkrug; Neusorge, Vw.

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Gemeinde Klein Gnie

Einwohner: 1.015 (17.05.1939)

Ortsteile: Christophsdorf; Groß Dwillin (Großwillingen); Karlshof; Klein Dwillin (Kleinwillingen); Klein Gnie, Bhf.; Prosit; Rosanna (Rosenflur); Sechshuben

Klein Gnie

Frühere Namen und Schreibweisen: 1601 Klein-Gnye (mit einer Fläche von 20 Hufen), 1770 Klein-Gnue

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Gemeinde Wesselowen (Wesselau)

Einwohner: 459 (17.05.1939)

Ortsteile: Franzenshof; Hedwigsfelde; Mulk; Schönwiese

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Kontaktadressen der zuständigen Kirchspielvertreter

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